Die Zörbiger Saftbahn

Pressemeldung vom 21.02.2026


Hoffnung für die Saftbahn

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist eindeutig. Die Reaktivierung der Strecke würde sich klar lohnen. Doch was sagen die Menschen aus der Region zu dieser Idee?

Die vom Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa) in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie, die am Donnerstag vorgestellt wurde, spricht eine klare Sprache. Rein rechnerisch würde sich die Wiederbelebung der Zugstrecke von Stumsdorf über Zörbig, Großzöberitz, Sandersdorf bis nach Bitterfeld kosten-nutzen-technisch eindeutig rechnen. Auch seitens des Landes ist man überzeugt und will weitere Schritte in die Wege leiten.
Doch was sagen die Anwohner der betroffenen Regionen? Wird es nun in Zörbig und anderen Orten rumpeln wie in alten Tagen oder wird die Region aufblühen wie lange nicht mehr? Die Person, die im proppenvollen Saal des Zörbiger Schlosses die Vorteile einer neuen Bahnverbindung betont, ist Sandersdorf-Brehnas Bürgermeisterin Steffi Syska (parteilos). „Für uns wäre es ein großer Benefit, wenn wir einen Personenverkehr bekämen. So könnten wir in Leipzig ein- und aussteigen“, sagte sie. So könne man den Menschen in der Region etwas bieten, über das was man selbst nicht verfüge. „Für junge Leute kann das bedeuten: „komm, wir machen uns einen schönen Abend in Leipzig, und keiner muss selber fahren“, sagte sie weiter. Und andererseits wäre die neue Verbindung erforderlich für den Zuzug in die Region. Insbesondere, da aus Perspektive vieler Großstädter die Forderung nach öffentlichen Verkehrsmitteln bestehe. Und auch das Thema Berufspendler werde so in ein anderes Licht gerückt du deutlich attraktiver.

„Wir sehen gerade auf dem Land ein großes Verflechtungsinteresse nach Halle und Leipzig. Und wenn Menschen aus Sachsen zu uns kommen wollen, sollen sie kommen, das wollen wir positiv unterstützen“, lautete die Antwort von Landes-Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) auf Syskas Befürwortung des möglichen Projektes.
Oliver Beere, Vorsitzender des Landesverbandes Elbe-Saale im Verkehrsclub Deutschland, spricht sich ebenfalls schon lange für eine neue Verkehrsanbindung aus. „Wir sollten auch daran denken, die Stimme der Jugend einzuholen“, erinnerte er. Immerhin sei sie es, die etwa unter den hohen Führerscheinpreisen leiden würden. „Dass wir auch in 15 bis 20 Jahren attraktiv sind, dahingehend ist ja vor allem die Jugend gefragt“.
Und was sagen die an diesem Tag anwesenden Bewohner zu der Idee? Komplett abgeneigt zeigt sich während des Bürgerdialogs niemand. Doch die Erfahrung der Vergangenheit, zurückgehend bis in die DDR-Zeit, war an diesem Tag, Anlass einige Bedenken vorzubringen. „Wir haben in Zörbig fünf Bahnübergänge. Die Schranken waren zu DDR-Zeiten schon ein Problem, da sie den Verkehr immer wieder zum stocken brachten, weil die Schranken nach und nach runtergingen“, hieß es von einer Anwesenden.
Stadtratsvorsitzender Rolf Sinnenberger äußerte seine Befürchtung, dass bei mangelnder Nutzung Kosten auf dem Teller der Kommunen landen würden. „Wer träft den Verlust der Bahnstrecken? Es kann nicht sein, dass es auf unsere Stadt zurückfällt.“ Auch wurde möglicher Güterverkehr zum Thema, wo ein in der Nähe der Gleise wohnender Bürger um seine Ruhe fürchtet.
Allesamt Bedenken, denen Hüskens kurzerhand einen Riegel vorschieben konnte. Denn die „Husaren-Methode“ und ins Land preschen sei nicht das Vorgehen des Landes. „Wir wollen das nicht zwingend. Wir gehen von den Zahlen aus. Und da das Land die Strecke betreibt, gingen wir auch ein Risiko ein.“ Vorsichtiges handeln sei ein Grundsatz ihrer Arbeit.
Weiterhin sei die Technik mittlerweile so modern und alles so detailliert taktbar, dass weder Lärm noch Staus zu befürchten seien. Der Weg sei noch ein verhältnismäßig langer, viele Prozesse zu durchlaufen und kein Schritt überstürzt, sodass einer gesunden Portion Zukunftseuphorie Platz gemacht werden kann. Denn die Region kommt ans Netz.

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Foto: Sebastian Herbsleb
Die Regionalbahn fährt im August 2000 nach Stumsdorf.
Foto: Benjamin Telm
Der Saal des Zörbiger Schlosses war voll bis zum allerletzten Platz. Das Interesse an der Machbarkeitsstudie war enorm.
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Mitteldeutsche Zeitung, Printausgabe 21.02.2026

Mitteldeutsche Zeitung, Lokaredaktion Bitterfeld, Printausgabe vom 18.02.2026 von Bejamin Telm

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