Die Zörbiger Saftbahn

Strecken - Ereignisse ab 2021


Neues Industriestammgleis "Stakendorfer Busch" in Sandersdorf debatiert

Mit der Ansiedlung der neuen Papierfabrik der Firma Progroup im Sandersdorfer Industriegebiet "Stakendorfer Busch", begannen im April 2019 kontroverse Debatten im Sandersdorfer Stadtparlament um die Anbindung eines Anschlussgleises. Untersucht wurden drei Varianten zur Erschließung des Gewerbeparks mit einem Bahnanschluss. Am Ende stimmte der Stadtrat von Sandersdorf-Brehna für den kosten- und verkehrsgünstigeren Streckenverlauf durch den "Stakendorfer Busch" mit direkter Anbindung an die "Saftbahn". Am Bahnkilometer 8,0 und 8,3 sollen mit zwei Anschlussweichen ein Gleisdreieck realisiert werden, welches durch ein Waldgebiet in Richtung einer zukünftigen zweigleisigen Wagenübergabegruppe führen soll. An dieser soll die Papierbarik und ein Logistik-Center sich mit ihrer Anschlussbahn anschließen. Seit dem 02.05.2023 liegt für den Bau des Industriestammgleises die Baugenehmigung vor. Beantragte Fördermittel durch den Technologiepark Mitteldeutschland, wurden vom Land Sachsen-Anhalt mit Stand 05/2024 noch nicht freigegeben.

Skizze & Verlauf des geplanten Industriestammgleises in Sandersdorf.

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Anbindungsskizze des geplanten Industriestammgleises bei Sandersdorf.
 

Anbindung des Industriestammgleises im Bereich Kilometer 8,1

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Mit einer doppelseitigen Weichenanbindung (Gleisdreieck) soll das Industriestammgleis "Stakendorfer Busch" am Bahnkilometer 8,0 angeschlossen werden.
 

Güterverkehr kommt weiter in Fahrt: Verbio stellt Getreideanlieferung auf Schiene um und erweitert Werksgleis

Mit der zunehmenden Umstellung der Getreideanlieferung auf die Schiene, hat sich die "Saftbahn" zu einem wichtigen und bedeutenden Verkehrsträger für die Werkslogistik der Verbio in Zörbig entwickelt. Im Rahmen ihrer Produktionserweiterung baute die Verbio SE das Werksgleis zwischen Oktober 2022 und Januar 2024 mit zwei weiteren Gleisen aus.

Es entstand ein neues Verladegleis für Bioethanol und ein Logistikgleis mit jeweils rund 570 Metern Länge. Wöchentlich gelangen aktuell 2-3 Ganzzüge mit Futtergetreide nach Zörbig. Diese werden im Bahnhof Bitterfeld vom jeweiligen Bahnunternehmen an die Regiobahn Bitterfeld Berlin übergeben. Aufgrund der Steigung im Streckenabschnitt Bitterfeld Nord-Sandersdorf und leistungsschwachen Dieselloks erfolgt die Überfahrt in 2-3 Etappen. Bei verfügbaren Lokkapazitäten fährt die RBB auch mit Nachschiebelok.

Mit der Werksgleiserweiterung ergeben sich Möglichkeiten mit der Lok den Wagenzug gezogen nach Zörbig zu bringen. Bei belegten Werksgleise, sind auch nach wie vor geschobene Fahrten über die "Saftbahn" zu beobachten. Die Verbio nutzt in Zörbig die drei innerbetrieblichen Werksgleise, das Stammgleis und das Gleis bis zum Streckenende/Prellbock für die Wagenabstellung. Aktuell sind drei Getreideganzzüge und zwei Ethanolkesselzüge für die Logistik im Einsatz.

Skizze & Verlauf des geplanten Industriestammgleises in Sandersdorf.

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Nach Umverlegung eines Erdkabels konnten die Lückenschlussarbeiten Mitte 11/2023 fortgesetzt werden.
 

Anbindung des Industriestammgleises im Bereich Kilometer 8,1

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Werksgleis der Verbio im April 2024.
 

Oberbaubelastungen führen zu höheren Verschleiß und Schäden

Die stärkere Nutzung der "Saftbahnstrecke" im Güterverkehr führt zunehmens zu einem höheren Verschleiß am mittlerweile 50 Jahre alten Oberbau. Eine umfassende Ertüchtigung der Schwellen und Schienen sind bislang ausgeblieben. Notwendige kleinere Reparaturen führt der Infrastrukturbetreiber aus. So sind in den Streckenabschnitten Großzöberitz-Zörbig und Bitterfeld Nord-Sandersdorf im Jahr 2023 und 2024 Schwellen auf rund 100 Metern getauscht worden.
Zum Problem sind die beiden technisch gesicherten Bahnübergangsanlagen in Sandersdorf geworden. Verkehrende Bedienfahrten müssen beidseitig häufig anhalten, da die Einschaltkontakte defekt oder vom Schienenfahrzeug nicht erfasst werden.

Machbarkeitsstudie: Zörbig könnte wieder Bahnanschluss bekommen

Sachsen-Anhalt prüft eine Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Bitterfeld und Stumsdorf für den Personenverkehr. Das Schienennahverkehrsprojekt zwischen den Landkreisstädten Köthen und Bitterfeld gehört zu den potenzialreichen Reaktivierungskandidaten des Landes Sachsen-Anhalt. Die NASA (Nahverkehrsanstalt Sachsen-Anhalt) wird in 2024 eine Potential- und Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.
Für einen wirtschaftlich rentablen schienengebundenen Personennahverkehr seien täglich mindestens 300 Fahrgäste nötig.
Für eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der gesamten Strecke müsste die "Saftbahn" für die modernen Anforderungen ertüchtigt werden. Denkbar wären wegen der Lage der Gleise dann beispielsweise Bahnverbindungen aus oder in Richtung Köthen ab Stumsdorf oder in Richtung Leipzig ab Bitterfeld.
Wie die NASA mitteilte, soll die Bearbeitung der Studie im Jahr 2025 erfolgen und abgeschlossen sein.
Der Finanzausschuss des Landes Sachsen-Anhalt hat im November 2024 den Abschluss einer Beraterleistung zur Erstellung einer Machbarkeits- und Potentialstudie einstimmig beschlossen. Rund 350.000 EUR werden dafür bereitgestellt. Vier Betriebsvarianten werden geprüft, die sich im jeweiligen westlichen Endpunkt einer aktivierten Strecke unterscheiden; Sandersdorf, Zörbig, Köthen und Halle/S..

Bei der S-Bahn Variante nach Halle/Saale, ist auch eine neuzubauende Verbindungskurve in Stumsdorf Bestandteil der Untersuchung.

Machbarkeitsstudie Werbebild der NASA

Quelle: Nasa GmbH / Magdeburg


*** Fortsetzung folgt ***